
Gründungsurkunde des AKHF vom 1. September 1984
Zur Geschichte des Arbeitskreis Historische Friedens- und Konfliktforschung
Die Wurzeln des Arbeitskreises reichen bis in die späten 1960er Jahre zurück. Als sich die Friedens- und Konfliktforschung 1969 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann verstärkt im öffentlichen Bewusstsein verankerte, führte dies allerdings zunächst noch nicht zu einer Koordinierungsstelle auch für historische Friedensforschung.
Einen ersten Anfang bedeutete die Zusammenarbeit von Wissenschaftler:innen in der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg, wo Forschende zu Themen wie Kirche, Sozialismus und Frieden arbeiteten. In den späten 1970er Jahren wurde Karl Holl, Professor für Zeit- und Parteiengeschichte an der Universität Bremen, zur Anlaufstelle für junge Forscher:innen, die sich mit der Geschichte der bürgerlichen Friedensbewegung im Kaiserreich und in der Weimarer Republik beschäftigten. Einen entscheidenden Schub erhielt die Gruppe durch die Stiftung die schwelle des Bremer Unternehmers Dirk Heinrichs, die ab 1983 Kolloquien in Fischerhude finanzierte.
Am 1. September 1984, dem Weltfriedenstag und 45. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs, wurde der „Arbeitskreis Historische Friedensforschung“ offiziell gegründet. Seit 2015 firmiert die Gruppierung unter dem erweiterten Titel „Arbeitskreis Historische Friedens- und Konfliktforschung“.
Von Anfang an verstand sich der Arbeitskreis als interdisziplinäres und internationales Netzwerk, das gesellschaftliche, politische und kulturelle Bedingungen von Krieg und Frieden erforscht. Die Mitglieder kommen aus Deutschland, Europa und den USA. Neben der amerikanischen Peace History Society zählt der AKHF damit zu den größten Vereinigungen seiner Art.
Regelmäßige Tagungen und Publikationen – zunächst im Jahrbuch für Historische Friedensforschung (1992–2000), später in der Reihe Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedens- und Konfliktforschung – machen ihn zu einem festen Bestandteil der wissenschaftlichen Friedens- und Konfliktforschung. Bis heute ist der Arbeitskreis ein Ort des Austauschs über Generationen und Disziplinen hinweg: Forschende, Lehrende, Archivar:innen und Publizist:innen diskutieren gemeinsam über historische Perspektiven auf Krieg und Frieden – getragen vom gemeinsamen Ziel, die Geschichte des Friedens und der Eindämmung von Gewalt lebendig zu halten.
Eine vertiefende Darstellung der Geschichte des AKHF ebenso wie der Fragen und Forschungsthemen der Historischen Friedens- und Konfliktforschung gibt:
Philipp Gassert, Frieden als Historisches Problem. Versuch einer Einordnung des normativen Projekts einer Historischen Friedens- und Konfliktforschung, in: Daniel Gerster, Jan Hansen, Susanne Schregel (Hg.), Historische Friedens- und Konfliktforschung. Die Quadratur des Kreises? Frieden und Krieg, Band 27, Frankfurt/New York 2023, S. 61-92.
