Gender & Violence. Power Dynamics and their Representations, 19th–21th Centuries
Femizide, sexualisierte Gewalt in Kriegskontexten, Amokläufe, #metoo. Fragen der Zusammenhänge von Geschlecht und Gewalt beschäftigen nicht nur die deutsche Medienöffentlichkeit nahezu permanent. Insbesondere durch den Siegeszug sozialer Medien prägen Debatten um Wechselwirkungen von Geschlecht und Gewalt den Alltag der global community. Doch die Verbindung geschlechtsspezifischer Narrative mit der Legitimität beziehungsweise Illegitimität körperlicher Übergriffe ist keineswegs, so die Grundannahme dieser Tagung, ausschließlich ein Gegenwartsphänomen. Vielmehr lässt sie sich mindestens bis ins 19. Jahrhundert und zur Verbreitung populärer Printmedien sowie zu dem zeitgleich einsetzenden Bedeutungsgewinn der Humanwissenschaften bei der Erklärung abweichenden Verhaltens rückverfolgen.
Ziel der Tagung ist es, erstmals eine transnational nuancierte Periodisierung der Bedeutung von Gewalt für Geschlechterhierarchien seit dem 19. Jahrhundert zu entwickeln und dabei regional spezifische von übergreifenden Entwicklungen zu unterschieden. Im Zentrum der Konferenz steht die Frage, inwiefern kontextgebundene Deutungen bestimmter Verhaltensweisen als „gewalttätig“ beziehungsweise als „nicht gewalttätig“ Geschlechterhierarchien prägten.
Die Konferenz fragt dabei konkret, wessen Gewalterfahrungen zu welchen Zeitpunkten (höhere) Legitimität attestiert wurde – zum Beispiel durch die mediale Berichterstattung, von Ordnungsbehörden oder vor Gericht, aber auch in der individuellen Deutung und Erinnerung. Weiterhin untersucht die Konferenz, ob und in welcher Weise Debatten über Gewalt und Geschlecht mit weiteren Kategorien sozialer Ungleichheit, vor allem race, Religion und Klasse interagierten. Die thematische Bandbreite umfasst unter anderem die Geschichte der Darstellung von Partnerschaftsgewalt, den Wandel forensischer Theorien, Gewalt durch Frauen in kolonialen Kontexten, die Erinnerung an und die rechtliche Deutung von Sexualdelikten.
Die Tagung findet vom 20. Mai 2026 – 22. Mai 2026 am DHI in Rom in Zusammenarbeit mit dem GHI Washington, der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster, statt.
Mehr Informationen insbesondere zur Anmeldung finden Sie auf der Seite des DHI Rom. Das Programm folgt in Kürze.
