Sarah K. Danielsson u.a. (Hg.), War and Geography

Sarah K. Danielsson / Frank Jacob (Hg.), War and Geography. The Spatiality of Organized Mass ViolencePaderborn: Schöningh 2017.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Christoph Nübel, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam.

Auch in der Militärgeschichte wird zunehmend die Tendenz aufgegriffen, die räumlichen Dimensionen von Geschichte zu vermessen. Bereits Friedrich Ratzel wies auf die zahlreichen Verbindungslinien zwischen bewaffneten Konflikten und Räumen hin. „Der Krieg“, so schrieb er 1897, „ist doch immer eine große Schule der Fähigkeit der Raumbewältigung geblieben.“[1] Gleichwohl sind für die Militärgeschichte noch immer zahlreiche Desiderate zu verzeichnen. Kein Wunder, denn das Thema Raum und Krieg ist tendenziell grenzenlos. Insbesondere die Frage danach, was unter „Raum“ überhaupt zu verstehen ist, wirft immer wieder besondere konzeptionelle und methodische Probleme auf. Zur Vernachlässigung des Raumes als historiografischer Kategorie haben auch die lange Dominanz politikgeschichtlicher Fragestellungen, eine tendenzielle Zurückhaltung gegenüber neueren methodischen Ansätzen sowie insbesondere in Deutschland das düstere Erbe der NS-Raumforschung beigetragen.

Umso begrüßenswerter ist es, wenn neue Erträge der Forschung vorgelegt werden. In der Einleitung des anzuzeigenden Bandes geben die Herausgeber Sarah K. Danielsson und Frank Jacob eine breite, zuweilen aber bloß additiv wirkende Übersicht über einschlägige und weniger einschlägige Bemerkungen von Geographen und Historikern, die sich zu Krieg und Raum äußern. Angesichts der hier vorgestellten Breite ist die in der Einleitung dann doch sehr selektive Rezeption der Literatur zu beklagen. Sicherlich kann es kein Maßstab sein, alle einschlägigen Titel berücksichtigt zu haben. Gleichwohl ist es misslich, dass beispielsweise die essenziellen Denkanstöße Bernd Hüppaufs oder Stefan Kaufmanns gänzlich unberücksichtigt geblieben sind.[2] In der Einleitung verzichten die Herausgeber darauf, den Raumbegriff zu konkretisieren und bezeichnen die „myriad spaces in which warfare is conceived, originated, fought and remembered“ als ihr Themenfeld (S. 18). Folglich versammelt der Band eine enorm facettenreiche Auswahl aus dem weiten Feld von Krieg und Raum, die sich unter den Schlagworten Geopolitik, Geographie sowie Landschafts-, Umwelt- und Wissensgeschichte subsumieren lassen. Im Folgenden werden exemplarisch Beiträge zu diesen Themenfeldern besprochen. weiterlesen

[1] Friedrich Ratzel, Politische Geographie, München 1897, S. 337.
[2] Bernd Hüppauf, Was ist Krieg? Zur Grundlegung einer Kulturgeschichte des Kriegs, Bielefeld 2013; Stefan Kaufmann, Kommunikationstechnik und Kriegführung 1815–1945. Stufen telemedialer Rüstung, München 1996; ders., Raumrevolution – Die militärischen Raumauffassungen zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, in: Rainer Rother (Hrsg.), Der Weltkrieg 1914–1918. Ereignis und Erinnerung, Berlin 2004, S. 42–49.

Empfohlene Zitierweise
Christoph Nübel: Rezension zu: Danielsson, Sarah K.; Jacob, Frank (Hrsg.): War and Geography. The Spatiality of Organized Mass Violence. Paderborn 2017 , in: H-Soz-Kult, 09.06.2017, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-27331>.