Rezension: Tom Hayden, Hell No

Tom Hayden, Hell No. The Forgotten Power of the Vietnam Peace Movement, New Haven: YUP 2017.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Christine Schweitzer, Hamburg.

Tom Hayden (1939–2016) war ein in den USA prominenter Antikriegsaktivist. Er war 1960 Mitbegründer des linken Verbands Students for a Democratic Society (SDS), einer der einflussreichen Gruppen in der Antikriegsbewegung gegen den Vietnamkrieg. 1968 war er Mitorganisator von Protesten vor dem Parteikongress der Demokraten, die von der Polizei mit viel Gewalt beantwortet wurden. Er und sieben weitere Mitorganisatoren wurden als die „Chicago Sieben“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, aber später rehabilitiert. In den 1980er- und 1990er-Jahren war er Abgeordneter der Demokraten in der State Assembly und dem State Senate in Kalifornien. Zeit seines Lebens engagierte sich Hayden nicht nur in verschiedenen Antikriegsgruppen, sondern auch gegen Armut, Rassismus und für Tierrechte. Immer Erwähnung findet in seinen Biografien, dass er mit den Schauspielerinnen Jane Fonda und Barbara Williams verheiratet war.

Hayden hat im Zeitraum zwischen 1966 und 2017 circa 20 Bücher und zahlreiche weitere Schriften verfasst; das lediglich 159 Seiten starke Büchlein „Hell No. The Forgotten Power of the Vietnam Peace Movement“ ist sein letztes. Sein Erscheinen im Januar 2017 hat er nicht mehr erlebt – er verstarb im Oktober 2016.

Das Buch ist keine wissenschaftliche Studie über den Vietnamkrieg, sondern das Essay eines lebenslang engagierten Antikriegs-Aktivisten. Es gibt nur einen sehr groben roten Faden innerhalb der sechs Kapitel und zwischen ihnen. Hayden schreibt eher so, wie man mündlich erzählen würde: Zwar ohne den Faden ganz aus den Augen zu verlieren, aber schon von einem Thema zum nächsten übergehend, um dann erst später den Faden wieder aufzugreifen.

Das Ziel seines Buches, wie er in der Einleitung darlegt, ist, die Erinnerung an die Bewegung gegen den Vietnamkrieg wach zu erhalten. Mit der Zeit hätten die Kriegsmacher begonnen, „auf dem Schlachtfeld der Erinnerung zu gewinnen, was sie auf den Schlachtfeldern des Krieges verloren haben“ (S. 11). Als Beispiel nennt er unter anderem Filme wie „Last Days of Vietnam“, ein Projekt des Pentagon aus dem Jahr 2015, das die Erinnerungen von Vietnamveteranen durch Videointerviews dokumentieren sollte, oder die sich seit 2008 im Aufbau befindliche und vom Pentagon finanzierte Website des Vietnam Veterans Memorial Fund. Bei diesen Projekten sollte der Widerstand der GIs gegen ihre Rekrutierung und gegen den Krieg ausgelassen werden. Hayden schreibt: „Who will tell our story when we are gone? So much has already escaped memory, and now the time to capture remembrance is rapidly passing. We need to resist the military occupation of our minds. Long-defeated falsehoods are being resurrected again” (S. 11). weiterlesen

Empfohlene Zitierweise
Christine Schweitzer: Rezension zu: Hayden, Tom: Hell No. The Forgotten Power of the Vietnam Peace Movement. New Haven 2017 , in: H-Soz-Kult, 12.10.2017, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-27762>.