Rezension: Takuma Melber, Zwischen Kollaboration und Widerstand

Takuma Melber, Zwischen Kollaboration und Widerstand. Die japanische Besatzung in Malaya und Singapur 1942–1945, Frankfurt am Main: Campus 2017.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Sven Matthiessen, Koblenz.

In der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft wurde der japanischen Besatzung Malayas und Singapurs bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Takuma Melber leistet einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke, indem er mit Fokus auf den Aspekten Kollaboration und Widerstand die japanische Besatzung in diesen Gebieten untersucht und mit deutschen Besatzungsmethoden während des Zweiten Weltkriegs vergleicht.

Melber verweist in der Einleitung zu seinem Buch auf eine Reihe englischsprachiger Bücher zur japanischen Besatzung Südostasiens sowie auf Peter Herdes deutschsprachiges Werk „Großostasiatische Wohlstandssphäre“.[1] Zurecht weist er darauf hin, dass Herde, der sich lediglich mit Indonesien und den Philippinen beschäftigt, keinerlei japanische Quellen verwendet (S. 21). Dies ist tatsächlich auch eines der herausragenden Merkmale von „Zwischen Kollaboration und Widerstand“: Takuma Melber bedient sich ausführlich japanischer Primär- und Sekundärliteratur, was das Buch auch von englischsprachigen Standardwerken zur japanischen Besatzung Malayas und Singapurs signifikant unterscheidet. Eine Ausnahme bildet hier zwar der 2008 erschienene Band „New Perspectives of the Japanese Occupation in Malaya and Singapore, 1941–1945“, herausgegeben von Yoji Akashi und Makino Yoshimura, welcher sich ebenfalls auf japanische Primärquellen stützt. [2] Melber verweist auf dieses Werk, stellt aber ebenso zutreffend fest, dass in diesem Sammelband im Vergleich zu Akashis japanischen Veröffentlichungen dessen Ergebnisse stark gekürzt und inhaltlich verändert zusammengefasst werden (S. 32). Insgesamt ist bei Takuma Melbers Monografie die sehr breite Quellenbasis, auf die er seine Analyse stützt, positiv hervorzuheben. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Erinnerungsliteratur von Zeitzeugen, darunter auch Dokumente von Entscheidungsträgern, sowie die aus den National Archives in London stammende japanische Primärliteratur zu nennen, die für dieses Buch erstmals ausgewertet wurden.

Der Forschungsansatz richtet sich auf einen „synchronen Vergleich von Besatzungsmethoden und Herrschaftsstrukturen […], zu denen neben Formen der Widerstandsbekämpfung auch die der Kollaboration zu zählen sind“ (S. 21). Dabei werden die im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht besetzten Gebiete „im Sinne einer vergleichenden Perspektive“ (S. 21) mit den von Japan besetzten Malaya und Singapur kontrastiert, um das Verständnis für diesen Krieg als globalen Konflikt zu schärfen. In der Tat gelingt es Takuma Melber, einerseits eine Lücke in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft dadurch zu schließen, dass er eine ausführliche Narration der Eroberung und Besatzung Malayas und Singapurs liefert. Darüber hinaus schafft er durch die ausführliche Auswertung japanischer Primärquellen ein besseres Verständnis der japanischen Perspektive und setzt diese gelungen in ein Verhältnis zu deutschen Besatzungsregimen in Europa. weiterlesen

[1] Peter Herde, Großostasiatische Wohlstandssphäre. Die japanische Besatzungspolitik auf den Philippinen und in Indonesien im Zweiten Weltkrieg und ihre Folgen, Stuttgart 2002.
[2] Yoji Akashi/Makino Yoshimura (Hrsg.), New Perspectives on the Japanese Occupation in Malaya and Singapore, 1941–1945, Singapur 2009.

Empfohlene Zitierweise
Sven Matthiessen: Rezension zu: Melber, Takuma: Zwischen Kollaboration und Widerstand. Die japanische Besatzung in Malaya und Singapur 1942–1945. Frankfurt am Main 2017 , in: H-Soz-Kult, 08.02.2018, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-28222>.