Rezension: Svetozar Rajak u.a. (Hg.), The Balkans in the Cold War

Svetozar Rajak / Konstantina E. Botsiou / Eirini Karamouzi / Evanthis Hatzivassiliou (Hg.), The Balkans in the Cold War, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2017.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Janis Nalbadidacis, Humboldt-Universität zu Berlin.

Bei der Beschäftigung mit Südosteuropa im Kalten Krieg offenbart sich einem ein erstaunliches Desiderat. Arbeiten zu einzelnen Nationen existieren, nur selten wird jedoch die Region selbst in den Blick genommen. Dabei vereinigt sie auf kleinem Raum eine erkleckliche Vielzahl an Akteuren: von NATO-Mitgliedern, wie der Türkei und Griechenland, über die Unterzeichner des Warschauer Vertrags, Rumänien und Bulgarien, bis hin zu Jugoslawien, das federführend für die Bewegung der Blockfreien Staaten war. Eine Untersuchung der Region und ihrer komplexen Verwobenheit verheißt vor diesem Hintergrund in vielerlei Hinsicht Potenzial. So lassen sich hier aufgrund der Diversität insbesondere die Interaktionen der jeweiligen staatlichen Akteure im Einklang oder auch im Widerspruch mit den ideologisch geformten Konfliktlinien und Blockzugehörigkeiten gut untersuchen. Dies verspricht nicht nur Einsichten in die Region und die Politiken der einzelnen Staaten, sondern ermöglicht im besten Fall auch Rückschlüsse auf übergeordnete Dynamiken des Kalten Kriegs.

Eine solcherart beschriebene und in der Forschung zunehmend praktizierte Dezentrierung des Kalten Kriegs ist das Anliegen der vier Herausgeber/innen des Sammelbands The Balkans in the Cold War, Svetozar Rajak, Konstantina E. Botsiou, Eirini Karamouzi und Evanthis Hatzivassiliou. Dabei versprechen sie den Einbezug und die Kombination einer Vielzahl von analytischen Ansätzen, die über rein diplomatie- und politikgeschichtliche Zugänge hinausgehen, sowohl regionale wie auch vergleichende und transnationale Perspektiven berücksichtigen und Einblicke in den gegenwärtigen Forschungsstand geben (S. XX–XXI). Das sind lobenswerte Ziele. Die Absicht eines kohärenten Sammelbands spiegelt sich in der wohldurchdachten Komposition von fünf thematischen Teilen mit je drei Beiträgen wider, die teils von renommierten Historikern wie beispielsweise John O. Iatrides, Ivo Banac oder Mark Kramer verfasst wurden. Neben der vorangestellten Einführung der Herausgeber/innen rundet ein Revue passierendes Schlusswort von Odd Arne Westad das Werk ab. Auch wenn sich der Sammelband in der Anordnung der einzelnen Beiträge nicht strikt daran hält, so folgt er in seinem Aufbau doch einer tendenziell chronologischen Struktur. weiterlesen

Empfohlene Zitierweise
Janis Nalbadidacis: Rezension zu: Rajak, Svetozar; Botsiou, Konstantina E.; Karamouzi, Eirini; Hatzivassiliou, Evanthis (Hrsg.): The Balkans in the Cold War. Basingstoke  2017 , in: H-Soz-Kult, 15.05.2018, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-28110>.