Rezension: Stephen G. Gross, Export Empire

Stephen G. Gross, Export Empire. German Soft Power in Southeastern Europe, 1890–1945, Cambridge: CUP 2015.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Ian Innerhofer, Konstantin-Philosoph-Universität, Nitra.

Stephen G. Gross, Assistenzprofessor an der New York University, begann die Arbeit zu diesem Buch als Dissertation bei Gerald Feldman. Er widmet sich darin der Frage, wie sich bereits 20 Jahre nach dem folgenschweren Zusammenbruch der Wirtschaft in Zentraleuropa im Zuge des Ersten Weltkriegs Deutschland ein informelles Imperium in Südosteuropa schaffen und als größter Handelspartner der dortigen Agrarländer die Versorgung der Region mit wichtigen Industriegütern dominieren konnte (S. 15).

Mit Freude liest man die gut strukturierte Einleitung, welche die Kernpunkte der Arbeit konzise darlegt. Gleich zu Beginn betont Gross den Buchtitel erläuternd die historische Kontinuität Deutschlands als Export-Nation, welche bis heute das Fundament für den Einfluss Deutschlands in Europa und in der Welt bildet. In der Arbeit stehen die beiden Länder Jugoslawien und Rumänien als Ziele der expansiven Wirtschaftspolitik Deutschlands im Fokus, sodass sich bereits in der Einleitung die Frage aufdrängt, warum nicht auch Bulgarien Teil der Untersuchung ist (S. 3). Dies verwundert, da das damalige deutsche Südosteuropa-Konzept auch dieses Land mit einschloss. Die präzise formulierten Forschungsfragen (S. 7) schließen an die Darstellung der historischen Entwicklung der historiographischen Forschung über die von deutschen Geschäftsleuten und Wissenschaftlern getragene wirtschaftliche Penetration Südosteuropas, welche Gross sinnvollerweise bis ins Wilhelminische Kaiserreich zurückverfolgt.

Konzeptuell schließt das Buch an jüngere historiographische Arbeiten über das nationalsozialistische Imperium an. [1] Innovativ ist die Verwendung der theoretischen Überlegungen der US-amerikanischen Politikwissenschaftler Keohane und Nye zu internationaler Kooperation und Soft-Power. Obwohl im Buch nicht erwähnt kommt Gross der Forderung nach, Kulturgeschichte und Wirtschaftsgeschichte im Hinblick auf Synergien zu versöhnen. [2] Sowohl wirtschafts- als auch kulturhistorisch Interessierte kommen hier auf ihre Kosten. weiterlesen

[1] Dirk van Laak, Über alles in der Welt: deutscher Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert, München 2005; Mark Mazower, Hitler’s Empire: Nazi Rule in Occupied Europe, London 2008; Shelly Baranowski, Nazi Empire: German Colonialism and Imperialism from Bismarck to Hitler, New York 2011.

[2] Hartmut Berghoff / Jakob Vogel, Wirtschaftsgeschichte als Kulturgeschichte. Ansätze zur Bergung transdisziplinärer Synergiepotentiale, in: Dies. (Hrsg.), Wirtschaftsgeschichte als Kulturgeschichte. Dimensionen eines Perspektivenwechsels, Frankfurt am Main 2004, S. 9–41.

Empfohlene Zitierweise
Ian Innerhofer: Rezension zu: Gross, Stephen G.:  Export Empire. German Soft Power in Southeastern Europe, 1890–1945. Cambridge 2015 , in: H-Soz-Kult, 28.02.2017, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-27404>.