Rezension: Martin Klimke u.a. (Hg.), Trust, but Verify

Martin Klimke / Reinhild Kreis / Christian F. Ostermann (Hg.), Trust but Verify. The Politics of Uncertainty and the Transformation of the Cold War Order, 1969-1991, Washington, D.C. / Stanford, California, Woodrow Wilson Center Press / Stanford University Press 2016.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Gottfried Niedhart, Mannheim.

Der auf eine Tagung am Deutschen Historischen Institut und am Woodrow Wilson International Center in Washington zurückgehende Band bietet eine neue und erweiterte Sicht auf den in den 1970er und 1980er Jahren eingetretenen Wandel in den Ost-West-Beziehungen. Dass sie auf eine friedliche Konfliktbeilegung zulaufen konnten, wird nicht nur auf das spektakuläre Einlenken Ronald Reagans und Michail Gorbatschows zurückgeführt, ganze Waffensysteme verschrotten zu lassen, sondern auch als Ergebnis eines längeren Prozesses betrachtet, in dessen Verlauf die Konfliktparteien das Wagnis der Vertrauensbildung eingingen. Indem „trust as a policy element“ (S. 11) zur leitenden Fragestellung erhoben wird, treten Begriffe wie Détente beziehungsweise Entspannung oder Zweiter Kalter Krieg, die üblicherweise zur Erfassung dieses Untersuchungszeitraums herangezogen werden, deutlich in den Hintergrund. Gleichzeitig bewegt sich die Publikation in einem Forschungstrend, der mit unterschiedlichen Akzentsetzungen den längerfristig wirkenden deeskalierenden Momenten nachspürt, die zur Transformation der „Cold War Order“ geführt haben. [1]

Die Einleitung der Herausgeber, in der ein interdisziplinärer Zugriff auf die Kategorie Vertrauen vorgestellt wird und die die Handschrift von Reinhild Kreis trägt, ist zusammen mit dem Resümee von Deborah Welch Larson zu lesen, die als Politikwissenschaftlerin schon vor über dreißig Jahren um eine psychologische Erklärung der Anfänge des Kalten Kriegs bemüht war und der Thematik auch weiterhin nachgegangen ist. Sie spricht von „mistrust as a baseline“ (S. 279). Der Abbau von Misstrauen werde durch die mangelnde Fähigkeit zur Empathie erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Helfen würde demgegenüber die Vorstellung darüber, wie man vom Kontrahenten wahrgenommen wird. In der Regel aber perzipierten die Akteure die Gegenseite im Licht eigener Sicherheitsparameter. Wollte man im Ost-West-Konflikt nicht in dem damit gegebenen Sicherheitsdilemma steckenbleiben und dem Risiko eines Nuklearkriegs ausgesetzt sein, musste ein anderes Risiko eingegangen werden, das Risiko der Vertrauensbildung in einer Konstellation bleibender Unsicherheit und ohne Erfolgsgarantie. weiterlesen

[1] Erwähnt seien Oliver Bange / Poul Villaume (Hrsg.), The Long Détente. Changing Concepts of Security and Cooperation in Europe, 1950s-1980s, Budapest/New York 2017; Kristina Spohr / David Reynolds (Hrsg.), Transcending the Cold War. Summits, Statecraft, and the Dissolution of Bipolarity in Europe, 1970-1990, Oxford 2016; Matthias Peter / Hermann Wentker (Hrsg.), Die KSZE im Ost-West-Konflikt. Internationale Politik und gesellschaftliche Transformation 1975-1990, München 2012.

Empfohlene Zitierweise
Gottfried Niedhart: Rezension zu: M. Klimke; R. Kreis und C. Ostermann (Hrsg.): Trust, but Verify. The Politics of Uncertainty and the Transformation of the Cold War Order, 1969-1991. Stanford 2016 , in: H-Soz-Kult, 15.06.2017, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-26549>.