Rezension: Lawrence Freedman, The Future of War

Lawrence Freedman, The Future of War. A History, London: Allen Lane 2017.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Jost Dülffer, Historisches Institut, Universität zu Köln.

Sir Lawrence Freedman, emeritierter Professor of War Studies am King’s College in London gilt als einer der führenden Militärtheoretiker unserer Zeit; oft war er mit offiziellen oder offiziösen Aufgaben betraut. 2013 legte er mit „Strategy. A History“ auf 752 Seiten ein magnum opus vor, das strategisches Denken im militärischen Bereich von der Bibel über Marx bis hin zu Black Power verband und bis zu allgemeinen Management-Strategien der jüngeren Zeit reicht. Mit dem hier vorzustellenden Buch zeigt sich der Historiker ein wenig lockerer im Quellencorpus und Argumentationsstil. Dass Prognosen schwierig sind, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, ist ein Bonmot, das hierzulande dem Kabarettisten Karl Valentin zugeschrieben wird, aber im Englischen auch Mark Twain, Winston Churchill oder dem dänischen Physiker Nils Bohr zuerkannt wird. Bei Freedman heißt das „The reason that the future is difficult to predict is that it depends on choices that have yet to be made, including by our governments, in circumstances that remain uncertain. We ask questions about the future to inform choices not to succumb to fatalism“ (S. XVIII).

Das Buch ist in drei recht unterschiedliche Teile gegliedert. Die ersten gut 100 Seiten geben einen Abriss über Kriegserwartungen seit etwa 1870 bis in die Gegenwart, einleitend bis hin zur Antike reichend. Ein zweiter widmet sich u.a. einigen Kriegstheorien der letzten Jahre und schließlich gibt es daran anknüpfend einen Ausblick in die jetzige Zukunft und die Erkenntnismöglichkeiten des Historikers.

In erstaunlicher Weise beschränkt sich Freedman stark auf den amerikanischen und britischen Bereich, gelegentlich gibt es jedoch inhaltlich auch etwas zur ja nicht unerheblichen Rolle Deutschlands oder Russlands. [1] Ein Blick in andere Ansätze und Kulturen kommt ihm jedoch kaum in den Sinn. Er startet mit dem berüchtigten Zukunftsroman der „Battle of Dorking“ aus dem Jahr 1871, ein Bestseller, der eine Invasion der britischen Inseln an die Wand malte, kurze Zeit nach dem deutsch-französischen Krieg. Solche Zukunftsszenarien, mustergültig 1972 von I. F. Clarke mit „Voices Propheseying War“ gesammelt, bilden einen reichen Erfahrungsschatz, den der Autor angesichts seiner souveränen Kenntnis der Materie jedoch bei weitem übersteigt. Seine Gewährsleute reichen über H. G. Wells bis hin zu John Waynes „The Greet Berets“ oder Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“. Das zeigt, dass er sich in allen Medien auskennt und deren Argumente oder Inhalte oft distanziert, pointiert und lakonisch vorträgt. Gerade der Wandel der künftigen Kriegsbilder zeigt die hohe Integrationsfähigkeit des Autors. Seine wichtigste Erkenntnis: die meisten lagen falsch (S. 66, 88, 91 und öfter). weiterlesen

[1] Dass dann kleine Ungenauigkeiten unterlaufen, wie die Verwechslung des preußischen und des deutschen Anteils an bestimmten Militäreinrichtungen oder die Zusammenfassung zweier russischer Zaren in einen, kann man verkraften.

Empfohlene Zitierweise
Jost Dülffer: Rezension zu: Freedman, Lawrence: The Future of War. A History. London  2017 , in: H-Soz-Kult, 13.09.2018, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-29583>.