Rezension: Gertraud Diendorfer u.a. (Hg.), Friedens-, Konflikt-, Demokratieforschung

Gertraud Diendorfer u.a. (Hg.)m  Friedensforschung, Konfliktforschung, Demokratieforschung. Ein Handbuch, Wien: Böhlau 2016.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Claudia Kemper, Hamburger Institut für Sozialforschung.

Die Friedens- und Konfliktforschung kann sich in Österreich auf zahlreiche Institutionen und Kooperationen stützen. Schon deshalb sollte sich die entsprechende scientific community in Deutschland stärker als bislang mit ihr verzahnen. Ein einschlägiges Netzwerk stellt das Conflict, Peace and Democracy Cluster (CPDC) dar, das seit 2016 an der Universität Graz koordiniert wird. Das hier zu besprechende Handbuch, das aus der Koproduktion der Gründungsinstitutionen hervorging – des Demokratiezentrums Wien, des Instituts für Konfliktforschung, des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung und des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – versteht sich als eine Form der Selbstverständigung der transdisziplinär arbeitenden Friedens- und Konfliktforschung in Österreich und gleichzeitig als Markstein in der deutschsprachigen Forschungslandschaft.

Das Handbuch ist in fünf längere Überblicksbeiträge und 20 auf lexikonartikellänge reduzierte Begriffseinführungen unterteilt, abgerundet durch zwei Plädoyers für ein normativ verstandenes, gleichwohl allen Disziplinen offenes Forschungsfeld. Letzteres versuchen alle Beiträge zu würdigen, womit sich die Krux eines jeden und auch dieses Handbuchs offenbart. Denn die, didaktisch durch zahlreiche textliche Querverweise aufbereitete, Orientierung im Feld geht mit einer kritischen Bestandsaufnahme desselben einher. Dadurch wechseln sich deskriptive und theoretisch ambitionierte Abschnitte in den Beiträgen ab, ohne erkennen zu geben, nach welchen Prioritäten oder theoretischen Leitlinien dies geschieht. Gleichwohl ist der Band sowohl für Studierende und Einsteiger im Feld als auch versierte Friedens- und Konfliktforscher interessant.

Anton Pelinka, ehemaliger Leiter des Wiener Instituts für Konfliktforschung, bietet in seinem Beitrag Basiswissen und konzeptionelle Zugänge zur Konfliktanalyse, er stellt phänomenologische Verbindungen zwischen Konflikt, Macht und Gewalt heraus, umreißt Konfliktmuster sowie ihre Materialität auf gesellschaftlicher Ebene. Da Konflikte der Basismodus gesellschaftlicher Interaktion sind, lassen sie erst in Kombination mit einer friedensforschenden Perspektive erkennen, welchen spezifischen Stellenwert sie im Feld einnehmen. Daran schließt der Beitrag zur Friedensforschung von Wilfried Graf und Werner Wintersteiner vom Klagenfurter Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik an, der zu Beginn auf das traditionell ausgerufene Spannungsverhältnis zwischen beschreibenden, gesellschaftstheoretischen und normativen Dimensionen der Friedensforschung eingeht. Die sich daraus ergebende Offenheit für Zugänge macht sie zwar zu einer Querschnittsperspektive par excellence, aber auch anfällig für interne Konflikte (S. 45), an denen sich die Rezensentin in produktiver Weise und im Sinne der friedens- und konfliktforschenden Prinzipien beteiligen möchte. Denn aus Sicht der Historikerin fallen doch spezifische Leerstellen auf. weiterlesen

Empfohlene Zitierweise
Claudia Kemper: Rezension zu: Diendorfer, Gertraud; Bellak, Blanka; Pelinka, Anton; Wintersteiner, Werner (Hrsg.):  Friedensforschung, Konfliktforschung, Demokratieforschung. Ein Handbuch. Wien 2016 , in: H-Soz-Kult, 24.03.2017, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-25714>.