Rezension: Catherine Goetze, The Distinction of Peace

Catherine Goetze, The Distinction of Peace. A Social Analysis of Peacebuilding, Ann Arbor: University of Michigan Press 2017.

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedensforschung bei H-Soz-u-Kult von: Samantha Ruppel, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften – Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt.

In ihrem Buch “The Distinction of Peace. A Social Analysis of Peacebuilding” zeigt Catherine Goetze, dass Peacebuilding (erstens) zur Festigung globaler Machtstrukturen beiträgt und dass (zweitens) die Peacebuilder aufgrund ihrer ähnlichen Sozialisation als Teil dieser Machtstrukturen gesehen werden müssen. Dabei steht nicht im Zentrum, welche Dynamiken dazu führen, dass Peacebuilding Macht ausübt, vielmehr untersucht Goetze die Bedingungen, unter denen diese Macht im Peacebuilding entstanden ist und besteht. Indem Goetze die Peacebuilding-Debatte über Machtstrukturen und die daran beteiligten Personen charakterisiert, leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Peacebuilding-Debatte.

Goetze gelingt es besonders gut aufzuzeigen, wie die Postulate von Frieden und Gewaltlosigkeit dazu dienen, Peacebuilding zu definieren. Weiterhin beschreibt Goetze, woher die Dynamiken kommen, durch die Peacebuilding Autorität, Dominanz und Macht gewinnt. Dabei versteht Goetze unter Macht die Auseinandersetzung mit Autorität, Dominanz, Herrschaft, Führung und gleichzeitig Unterwerfung, Zustimmung, Einhaltung, Befolgen und Bewunderung. Peacebuilding wird dabei als Ausprägung ebendieser globalen Machtstruktur gesehen. „Peacebuilding as it is practiced now is an expression of a particular global power structure, and it would certainly be different if that global power structure were different” (S. 8). Für den Begriff Peacebuilding wird keine starre Definition verwendet, stattdessen wird er als etwas (sozial) Konstruiertes angesehen. Dabei findet diese Konstruktion sowohl über ein inhaltliches Spannungsfeld, als auch über das Handeln der Peacebuilder statt. Goetze argumentiert, dass Peacebuilding in dieser Form existiert, da es zu einer oft unhinterfragten politischen Aktion geworden ist und für die Personen, die in diesem Feld arbeiten, eine Möglichkeit ist, das eigene Leben zu gestalten.

In Kapitel 1 und 2 des Buches führt die Autorin in Begrifflichkeiten ein und diskutiert die weltpolitische Ausgangslage, welche die Entstehung und Weiterentwicklung von Peacebuilding ermöglicht hat. In Kapitel 3 bis 5 geht Goetze darauf ein, wer genau die Personen sind, die als Peacebuilder im Feld arbeiten. Dabei arbeitet Goetze die Rolle des Bildungsbürgertums heraus und schildert, wie es zu dem „Idealtypus“ des Peacebuilders kommen konnte. Kapitel 6 und 7 schließlich führen die bisherigen Kapitel zusammen und analysieren, welche Weltanschauungen und Hintergründe den Peacebuildern zu Grunde liegen. Hierbei spielt besonders die Konzepte des liberalen Friedens und der Macht eine Rolle. In ihrem abschließenden Kapitel geht Goetze nochmals auf die schon beschriebenen Machtstrukturen ein und zieht ein Fazit der Analyse. weiterlesen

Empfohlene Zitierweise
Samantha Ruppel: Rezension zu: Goetze, Catherine: The Distinction of Peace. A Social Analysis of Peacebuilding. Ann Arbor  2017 , in: H-Soz-Kult, 30.08.2018, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-28342>.